Wie man Spitzel austrickst

von Gerald Drissne, Financial Times Deutschland 11.07.2008

Wer kann sich nach den Abhörskandalen noch sicher sein, dass ein Telefongespräch nicht mehr als zwei Mithörer hat? Verschlüsselung, ägyptische Handys und afrikanische Stammessprachen sichern die Vertraulichkeit.

Jedes Mal, wenn ich telefoniere, beschleicht mich dieses unbestimmte, dunkle Gefühl. Dann frage ich mich, ob ich und mein Gesprächspartner diese Unterhaltung wirklich nur zu zweit führen. Ich handele nicht mit Waffen und habe auch keine Kontakte zu Terrororganisationen - aber ist das noch ein Grund, mich nicht abzuhören? Die Telekom bespitzelt Journalisten, die Chinesen deutsche Mittelständler, Frauen ihre Männer, und der Innenminister will uns den Bundestrojaner unterjubeln.

Während früher nur Agenten abhören konnten, ist heute jeder dazu in der Lage, der bereit ist, 150 Euro auszugeben. So viel kostet die Software Flexispy, die auf jedem Handy installiert werden kann, das Zugriff aufs Internet hat. Mit dem Programm können Gespräche mitgehört und SMS mitgelesen werden, und der Spion weiß, wo sich der Handybesitzer aufhält - legal ist das natürlich nicht.

Mein ehemaliger Mitbewohner Ahmad sagte, ich solle es mit Laal versuchen. Das ist eine afrikanische Sprache, die seit Jahrzehnten ausschließlich mündlich weitergegeben wird. Weltweit sprechen sie nur 749 Menschen. Ahmed war überzeugt, dass selbst die besten Geheimdienste Monate bräuchten, um Laal zu identifizieren. Leider braucht man Jahre, um Laal zu lernen - und man muss nach Zentralafrika. Es muss doch einen einfacheren Weg geben, um abhörsicher zu sprechen.
Früher war das einfacher: Als die ersten Spionagefilme gedreht wurden, während des Kalten Krieges, ging man einfach in eine beliebige Telefonzelle, um etwas Geheimes mitzuteilen. Die hat den Vorteil, dass man eine anonyme Nummer hat - und wenn der Abhörer nicht weiß, in welche Telefonleitung er sich einschalten soll, kann er auch nicht mitlauschen.

Leider gibt es in Deutschland nur noch wenige Telefonzellen - dafür hat jeder nun ein Handy. Und das ist viel einfacher abzuhören. Für Polizei und Geheimdienste ist es eine der leichtesten Übungen, den Standort eines Geräts zu bestimmen. Sie verwenden dafür IMSI-Catcher, koffergroße Geräte, die ein Mobilfunknetz simulieren. Meistens sitzen die Agenten in einem Auto, das in der Nähe der verdächtigen Person parkt. Das Handy der Zielperson bucht sich dann in dieses Netz ein, und der Agent hört mit.

[ … ] Billiger ist die Lösung der Firma Safe-Com. Unter dem Namen "Babylon nG Secure Phone plus" bietet sie für 880 Euro ein Nokia-Handy der E-Serie an, das umgebaut wurde und Gespräche abhörsicher verschlüsselt.

Doch digitale Spuren hinterlässt man auch mit einem abhörsicheren Handy, zum Beispiel Datum, Uhrzeit, Standort und Rufnummer. Diese Daten sind oft interessanter als der Gesprächsinhalt. Ein anonymes Wertkartenhandy würde helfen, diese Spuren zu verwischen, doch müssen diese in Deutschland beim Kauf registriert werden. Ein Flug nach Ägypten könnte sich deshalb lohnen. In Kairo ist es ohne Probleme möglich, ein Wertkartentelefon unter falschem Namen zu kaufen. Mit dieser ausländischen Karte kann man in Deutschland anonym telefonieren. Und zwar zu einem Minutenpreis, kaum teurer als jener in Deutschland, Roaming-Gebühren inklusive.

Und was ist mit dem Telefonieren über das Internet mit Skype? Vor einigen Monaten erzählte der Präsident des Bundeskriminalamts in einem Interview, dass die Verschlüsselung von Skype die Mitarbeiter vor "gravierende Probleme" stelle. Das stimmt nur zum Teil. Die Übertragung eines Skype-Gesprächs wird zwar verschlüsselt. Hat man aber einen direkten Zugriff auf den Computer, ist das Abhören einfach - zum Beispiel mit dem Bundestrojaner, jenem kleinen Programm, mit dem der Staat auf fremde Computer zugreifen will. Vielleicht ist ein Sprachaufenthalt im Tschad in Zentralafrik

 
Secure Mobile Call
  
 
The Babylon nG Secure Phone protects confidential mobile calls against all kind of tapping scenarios - without any loss of quality or comfort.